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3 Dezember, Montag, 17:21 – Mach Dein Belarus auf Deutsch!!
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Wo die Zivilcourage keine Heimat hat, reicht die Freiheit nicht weit.
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Deutsche Jungliberale in Belarus


08/17/2008 - 20:01 / Übersetzung aus dem Russischen

 
Vergangene Woche wurde das gesellschaftliche Leben in Belarus durch eine Studienreise deutscher Studenten bereichert. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Stipendiaten der Friedrich Naumann Stiftung. Kurz gesagt: die besten studentischen Köpfe Deutschlands nahmen sich die Zeit und den Mut, Belarus zu besuchen, einen bescheidenen und stillen Winkel Europas.

Bis zu ihrer Ankunft in Belarus besaßen die jungen Talente nur eine sehr oberflächliche Vorstellung von unserem Land, die sich auf der Grundlage von Zeitungsmythen und Klischees gebildet hatte. Diejenigen, die schon einmal in Russland gewesen waren, stellten sich unter Belarus so etwas wie die stereotype "russische" Realität vor - ständige Kälte, Armut und wegloses Gelände wohin das Auge blickt. Auch die bedrohlichen Phrasen über "die letzte Diktatur Europas", "vielfältige Repressionen" und "allgegenwärtige Geheimdienste" ließen sie vor der Abreise noch einmal nachdenklich werden - schließlich, so dachten sie, könnte man von dort vielleicht nicht mehr wegkommen, wenn man etwas Falsches sagen, hören oder tun würde.

Doch schon an der weißrussichen Grenze wurden die deutschen Gäste mehr oder weniger positiv überrascht - denn anstelle des erwarteten Zoll-Alptraums trafen sie auf recht freundliche und professionelle arbeitende Grenzer, die man, wie es einer der deutschen Studenten ausdrückte, "überhaupt nicht mit den strengen und unfreundlichen russischen Grenzbeamten" vergleichen kann.
Die folgenden Tage, die sie in der belarussischen Hauptstadt verbrachten, ließen unsere Gäste alle verfestigten Klischees und Vorstellungen über das belarussische Land und seine Bewohner aufgeben. Anstelle von Schmutz und weglosem Gelände - saubere, breite und gepflegte Straßen, auf denen keine "Todesschwadronen" marschieren, umgelegentlich auf Demonstranten zu schießen. Offensichtliches Elend bemerkte ebenfalls keiner - vielmehr ließen die sanften und ruhigen Menschen - die nach Meinung der deutschen Studenten Litauern sehr ähnlich sehen würden - ein neues Bild von Belarus entstehen.

Bei einem Treffen mit dem bekannten belarussischem Schriftsteller und Fotografen Artur Klinau machten sich die Studenten mit der Geschichte der Stadt Minsk vertraut, die von dem Autor mit metaphorischen und ironischen Bildern präsentiert wurde, aber letztendlich deutlich machte, dass Minsk viele Denkmäler der europäischen Kultur besitzt, bzw. besaß-viele wurden in der Sowjetzeit zerstört. Überhaupt, das Thema der Zugehörigkeit von Belarus und des belarussischen Volkes zur europäischen Familie kam ziemlich häufig auf den verschiedenen Treffen und Dikussionen auf, die von den Organisatoren der Studienreise initiert wurden. Die Verfügbarkeit einer höheren Stufe der Europäisierung, von europäischer Standards und Normen, als, beispielsweise, in den EU-Neumitgliedern Rumänien und Bulgarien (von der Ukraine und Russland einmal ganz zu schweigen), wurde nicht nur von den gebildeten deutschen Studenten bestätigt, sondern auch von den beteiligten Vertretern verschiedener EU-Botschaften und diplomatischer Missionen.

Aber trotzdem: Nach genauerer Betrachtung begann die angenehme und harmonische Fassade des belarussischen Lebens langsam zu bröckeln. So wurden zum Beispiel auf der Konferenz "Transformation der belarussischen Wirtschaft - Chancen und Herausforderungen" unter Beteiligung der Ökonomin der Wirtschaftsschule IMP, Elena Rakowa, die Mechanismen der
belarussischen Wirtschaft genauer untersucht. Diese ortientieren sich noch kaum an marktwirtschaftlichen Prinzipien, dem Wachstum und der Modernisierung der Industrie, sondern stützen sich vor allem auf den Weiterverkauf von Energieträgern und die wachsenden Preise für die Exportprodukte Erdöl und Kalidünger. Auch die Privatisierungen von verlustbringenden und veralteten Staatsbetrieben wird von den belarussischen Machthabern offensichtlich verzögert, da sie ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit und eine weitere Beschädigung ihres - ohnehin schon schlechten - Image befürchten. A.G. Lukashenko versteht, dass sich eine Transformation des bestehenden ökonomischen Modells auf den einfachen Bürger negativ auswirken könnte - er steckt in einer "Popularitätsfalle". DieFortführung der bisherigen Sozialpolitikwurde wegen der Knappheit des Budgets unmöglich, eine Transformation des ökonomischen Systems ist unausweichbar. Das Ergebnis: Ein Wechsel auf der politischen Bühne.

Der nächste gewichtige Punkt des Programms war der Besuch eines der größten belarussischen Unternehmen - "MAZ". Den Teilnehmern der Visite zufolge besäße dieses Unternehmen im Falle einer Integration von Belarus in den europäischen Wirtschaftsraum durchaus gute Chancen, dem Wettbewerb standzuhalten. Desweiteren entzogen sich auch die Vertreter der unabhängigen Medien nicht der Aufmerksamkeit der Gäste - sie trafen sich mit den Redaktionen der Zeitung "Nasha Niwa" und der Nachrichtenagentur "Belapan", und diskutierten das brennenste Problem von Belarus - die Unmöglichkeit für nichtstaatliche Massenmedien ungehindert ihrer Arbeit nachzugehen, die starke Zensur und das staatliche Monopol auf dem Markt für Printmedien.

Um ein objektiveres Bild zu erhalten, entschlossen sich die deutschen Gäste, außer der verheißungsvollen Hauptstadt auch noch das belarussische Land zu besuchen, wo sich das Leben deutlich von dem in der Hauptstadt unterscheidet. Zur zweiten Basis der "deutschen Brigade" wurde die Stadt Brest erkoren - dort wurde ein Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft und eine Exkursion durch die Brester Festung organisiert.

Zum Zeitpunkt der Abreise hatte sich bei den Gästen ein gespaltenes Bild unseres Land geformt: Einerseits hatten sich die vorgefertigten Erwartungen nicht bestätigt, andererseits "zeigte sich eine dicke Schicht Staub auf dem vermeintlich sauberen Teppich". Aber auf eines konnten sich alle Teilnehmer der Studienreise einigen: Belarus ist schon heute, wenn auch nur äußerlich, ein europäisches Land, und besitzt zweifellos eine Zukunft als künftiges EU-Mitglied.
 

Der Dritte Weg

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