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Über aktives Leben12/28/2006 - 00:45 / Sergej Sinkevich “Das Einzige, was ich in der Freiheit schätze, ist der Kampf um sie; der Besitz von ihr interessiert mich nicht.” Beinahe jeden Monat sind wir die Augenzeugen des Sturzes des nächsten autoritären oder halbautoritären Regimes. Georgien, Ukraine, Moldova, Kirgisien – Direktübertragungen der weichen Revolutionen. Amerikanischer Eingriff im Irak, nach dem allgemeine Wahlen durchgeführt wurden, der Tod der Hauptbremse der nahöstlichen Regelung - Yasir Arafats, der die reale Perspektive der Lösung des vieljährigen Konflikts gibt, der zunehmende internationale Druck auf Syrien, Iran, Nordkorea, Fidel Castros naher Tod, der große Umgestaltungen in Kuba verspricht, - all diese Ereignisse sind sehr beeindrückend und lassen uns an die kommenden Veränderungen der Situation in Belarus glauben. Fränsis Fukujamas Prophezeiungen über das Eintreten der Epoche der liberalen Werte scheinen sich zu verwirklichen (siehe den Artikel « Das Ende der Geschichte? » http: // www.belintellectuals.com/by/library/boo k.php? id=14). Wie optimistisch und begeisternd die Entwicklungsperspektiven der menschlichen Gesellschaft auch aussehen mögen, es ist nicht weniger wichtig, wie sich die Situation in einem bestimmten Land und in einer bestimmten historisch beschränkten Zeitspanne entwickeln wird. Selbst wenn es bekanntgegeben würde, dass in hundert Jahren auf der Erde Freiheit und Demokratie herrschen würden, so ist es für ein menschliches Leben eine unermeßlich lange Zeit. Das menschliche Leben ist viel zu kurz, damit man geduldig auf die sorgenlose Zukunft wartet. Aber auch wenn uns solche Möglichkeit geboten würde und jeder von uns genau wissen würde, dass er das Jahrhundert der Freihet miterlebt, - sogar in diesem Fall würde die Erwartung ein Verbrechen sein, ein Verbrechen gegen sich selbst, ein Verbrechen gegen das Leben. Das Leben kann nicht warten, die Erwartung an und für sich ist die Berührung mit dem Tod, das Leben existiert nur dann, wenn man jeden Augenblick in Fülle erlebt. „ Das Leben ist ein absoluter Nahschuss“, - sagte einmal der spanische Philosoph Hose Ortega-i-Gasset. Aber es gibt noch einen anderen Grund, der die Erwartung unmöglich macht. Man kann auf etwas warten, was zur objektiven Realität gehört und von unserem Willen nicht abhängt. Wenn wir z.B. auf den Anbruch des Abends, auf den Anfang des Frühlings oder auf die Geburt eines Kindes warten, ist die Erwartung sinnvoll und vernunftsmäßig. Aber es gibt Sachen, die die Erwartung ausschließen, durch Erwartung zerstört werden können. So ist die Freiheit. Und wenn wir von der Unvereinbarkeit der Erwartung mit dem Leben sprechen, so geht es nicht um das beliebige Leben, sondern um das freie Leben, das Leben, dass menschlich genannt werden darf. Sehr oft aber haben die Menschen keine Ahnung von einem vollwertigen Leben, vom Leben im vollen Sinne, sie epassen sich einfach den Umständen und bilden sich ein, dass sie leben. Die Geschichte ist ein Spiel der Zufälligkeiten. Man begeht einen unverzeihlichen Fehler, indem man denkt, dass der Glaube an Unvermeidlichkeit des Sieges des Liberalismus auf Erde auf der Idee der natürlichen Gesetze der Geschichte gegründet ist, von denen Marx gesprochen hat. Weder Fukujama noch Hegel sollte man der treuherzigen Naivität verdächtigen. Der Glaube an das Antreten der Epoche des Liberalismus ist nur auf dem Glauben an den Menschen, an sein Streben nach Freiheit gegründet. Einer der beliebtesten Ausdrücke der Ideologen des Marxismus - Leninismus lautet so: man kann nicht in der Gesellschaft leben und frei von ihr sein. Aber wie jedes Postulat greift diese Aussage nur eine Seite des komplizierten und vielfächigen Phänomenes, indem sie ihm einen eben entgegengesetzten Sinn verleiht. Es ist richtig, dass man in der Gesellschaft nicht frei sein kann, aber ebenso richtig ist folgendes: man darf nicht frei außer der Gesellschaft sein. Man irrt sich gewaltig, dass Robinson in seiner Einsamkeit frei war. Die Ideologie verschweigt von uns, dass man gerade in der Gesellschaft und nur in der Gesellschaft frei sein kann. Aber automatisch kommt die Freiheit nicht. Dem Menschen sind zwei Möglichkeiten immer offen: frei zu sein oder nicht. Während die erste Möglichkeit sehr schwer wahrzunehmen ist, steht die zweite einem schon gleich nach der Geburt zur Verfügung. Und wenn die erste viel Mühe und Anstrengung fordert, so lässt sich die zweite automatisch verwirklichen, was durch die allgemeine natürliche Ordnung des Lebens bestimt ist. Wenn man sich und das eigene Leben genau batrachtet, kann man leicht ein Pessimist werden. Wir scheinem von allem abhängig zu sein: von unserem Körper und dessen Bedürfnissen, von den Gefühlen und Emotionen, die uns bestürmen, von unseren Verwandten, die wir berücksichtigen müssen, von den gesellschaftlichen Instituten, von juristischen und moralischen Normen und Gesetzen. Ketten, die uns fesseln sind überall, wir können sie nicht loswerden. Diese totale Abhängigkeit von natürlichen und menschlichen Gesetzen könnte das einzige für die Menschheit vorherbestimmte Schicksal sein. Aber wie es schon gesagt war, ist die Geschichte ein Spiel der Zufälligkeiten. Es kam vor, dass im Westen eine Gesellscheft entstand, deren Grundstein Freiheit war. Europäische Kultur und Zivilisation sind eine einzigartige Erscheinung in die Geschichte. Keine andere Kultur hat jenen Begriff der Freiheit, der in Europa entstanden ist, und dadurch Europa geschaffen hat. Ich würde sogar behaupten, dass der Begriff Freiheit nur in Europa (nicht im eng geographischen, sondern im kulturellen Sinn verstanden), und nirgends mehr existiert. Die Freiheit entsteht nicht überall. Für die Realisierung der Freiheit sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Eine der Voraussetzungen ist politisch. Der Raum der Freiheit ist ein politischer Raum, wo der Mensch die Bande löst, die ihn in seinem Privatleben fesseln. Der politische Raum ist ein Synonym des öffentlichen Raumes. Eine einzigartige Erscheinung der europäischen Kultur ist gerade die Entstehung der öffentlichen Sphäre und deren Absonderung von der Privatsphäre. Keine andere Kultur kennt solche Teilung. Das Privatleben ist einhierarchisches Leben: Familie, Arbeit, Gesellscheft - all diese Sphären sind auf dem Prinzip der Herrschaft und der Unterordnung gebaut. In dieser hierarchischen Struktur erfüllt der Mensch verschiedene Funktionen: die Rolle eines Erwachsenen oder eines Kindes, die eines Vorgesetzten oder eines Untergebenen, die eines Beamten oder eines Besuchers einer staatlichen Institution. Im öffentlichen Raum sind alle gleich. Das bedeutet, dass natürliche, biologische, soziale usw. Umwelt des Menschen keine wesentliche Rolle mehr spielen. Der ärmste ist gleich dem reichsten, der unschönste und unbegabteste - dem schönsten und talenttiertesten, der klügste - dem dümmsten, der stärkste – dem schwächsten usw. Bestimmend ist hier nicht der Status und angeborene Fähigkeiten, sondern der Besitz von der Stimme. Die Stimme konstatiert das Gebiet des Öffentlichen, indem sie alles ausgleicht. Mit dem Stimmrecht bekommt man die Möglichkeit, sich zu äußern, seine Meinung zu irgendeiner Frage auszudrücken, jene oder andere Position einzunehmen. Über eine Stimme zu verfügen bedeutet auch, dass deine Stimme akzeptiert wird, dass sie nicht einfach Luft sein wird, eine öffentliche Bedeutung haben wird. Die Gleichheit der Öffentlichkeit besteht darin, dass jeder im gleichen Maße gehört werden kann. Wenn die Stimme "für" oder "gegen" die Frage gereicht wird, die irgendeine öffentliche Angelegenheit angeht, so handelt es sich eigentlich um die Politik. Nicht zufällig wird die massen-politische Handlung - Prozedur der allgemeinen Wahlen als Abstimmung bezeichnet. Hier ist die Stimme des Ministers oder des Königes der Stimme eines einfachen Menschen gleich. Die Gleichheit besteht in der Möglichkeit aller Menschen, sich an der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten im gleichen Maße zu beteiligen. Gleichberechtigkeit befreit uns von zahlreichen Abhängigkeiten des Privatenlebens, von der Notwendigkeit, sich den Gesetzen der hierarchischen Struktur zu unterwerfen.Aber hier, in der Sphäre der politischen Gleichheit, herrscht die Freiheit. Nicht einmal wurde der Begriff Freiheit falsch verstanden und erläutert. Oft geschahes böswillig. Wenn der politische Sinn der Gleichheit durch einen anderen Sinn der sozialen, ökonomischen usw. Gleichheit ersetzt wird, so sollte man sicher ein totalitäres oder ein Diktaturregime erwarten. Der Begriff Gleichheit, der in einembeliebigen Bereich außer Politik verwendet wird, führt unvermeidlich zur Gleichheit im Geist Oruella, wo „alle gleich, aber manche gleicher sind“. Das hängt nicht von den Menschen ab, die nach ihrer Natur schlecht und unvollkommen sind, sondern davon, dass der Begriff Gleichheit weder in der Wirtschaft noch in der Gesellschft existiert, es gibt ihn nur in der Politik. Die Freiheit ist kein Zustand und keine Sache. Wie es unmöglich ist, in den Zustand der Freiheit zu geraten und sich in ihm aufzuhalten, ebenso unmöglich ist es, sich die Freiheitt anzueignen, über sie zu verfügen. Die Freiheit ist die Anlage zur Handlung und Handlung selbst. Die Freiheit existiert im Akte der freien Handlung,der unter den gleichen vollzogen wird. Wie oft macht sich die Herrschaft und die Macht an die Freiheit! Aber es ist falsch, die Freiheit dort zu suchen, wo es keinen deren Schatten gibt. Die freie Handlung kann nur unter Vorbehalt verwirklicht werden, dass sie anerkannt sein wird, wobei die Anerkennung von den gleichberechtigten Menschen stammen soll. Die Anerkennung der Bedeutsamkeit deiner Stimme, der Meinung, des Standpunktes bedeutet, dass man dich als Persönlichkeit akzeptiert. Die Anerkennung vollzieht sich nicht automatisch, man muss es verstehen, sie zu erreichen. Dafür muß man sich Möhe geben, einen starken Willen besitzen, Tapferkeit und Entschlossenheit zeigen. Die Freiheit wird nie umsonst gegeben, sie muß verdient werden, dabei muss man immer wieder beweisen, dass man der Freiheit würdig ist. Das Leben ist ein absoluter Nahschuss, deshalb darf man die Vollziehung dieser Bemühung nicht verschieben. Man darf nicht entscheiden vom nächsten Tag frei zu sein. Du bist frei, wenn du schon frei bist. Die Erwartung der Freiheit ist deren Verneinung gleich. Nur das freie tätige Leben ist dessen würdig, ein richtig menschliches Leben genannt zu werden. Ob Weißrussland ein Teil der freien Welt wird, ob wir endlich aufhören, Provinzler zu sein, die unter dem Komplex der historischen Minderwertigkeit leiden, ob wir einen politischen Raum werden schaffen können, wo wir, freie Menschen, frei handeln werden, das ist eine Frage, die jetzt, in jedem konkreten Moment gelöst wird. Unser gemeinsames Schicksal hängt davon ab, ob in unserem Lande genug freiheitsbestrebte Menschen leben. |
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